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Ein Integrationswunder

Shaghayegh Arfaei

Shaghayegh Arfaei

Nach gerade einmal zwei Jahren in Deutschland ist die junge Iranerin Shaghayegh Arfaei in ihrer neuen Heimat angekommen.

Nicht immer gelingt die Integration von Migranten über Nacht. Aufgrund schlechter Bildungsvoraussetzungen, mangelnder Sprachkenntnisse und kultureller Differenzen ist es für Menschen, die nach Deutschland gekommen sind, oft schwer, hier richtig anzukommen. Manchmal dauert es Jahrzehnte. Dass es auch unfassbar schnell gehen kann, zeigt das Beispiel der 19-jährigen Iranerin Shaghayegh Arfaei, die momentan auf dem „Zweiten Bildungsweg“, am Hanse-Kolleg in Lippstadt, das deutsche Abitur anstrebt.

Vor zwei Jahren, im Sommer 2016, verließ die junge Frau zusammen mit ihren Eltern und ihrer 11-jährigen Schwester ihre iranische Heimat. Von Deutschland wusste sie damals so gut wie nichts als die üblichen Klischees, die man auf Weltkrieg, Wirtschaft und Wohlstand reduzieren könnte.

In Teheran hatte die Tochter eines Software-Ingenieurs bereits das Abitur erworben und befand sich in der Vorbereitungsklasse für die Universität. Hier in Deutschland muss sie nun noch einmal ganz von vorne beginnen. Das ist schwer, aber „Shari“ lässt sich nicht beirren und hat in den zwei Jahren Beachtliches geleistet.

Unbegreiflich ist das hohe Sprachniveau, das die Iranerin in nur zwei Jahren erreicht hat. Für die jüngste Deutschklausur erhielt sie eine „1“. Ja mehr noch: Shari gehört im Fach Deutsch zu den besten Studierenden in ihrer Klasse! Sie schreibt annähernd fehlerlos und übertrifft in ihrer Ausdrucksfähigkeit 90% ihrer deutschstämmigen Mitstudierenden. Und auch in den anderen Fächern bringt sie es zu sehr guten Leistungen.

Solche Erfolge erreicht man natürlich nicht einfach so. Klare Ziele, harte Arbeit und ein eiserner Wille sind die Voraussetzungen dafür. Die Motivation speist sich im Falle der Iranierin aus den Plänen für ihre Zukunft. Shari möchte studieren, am liebsten Medizin. Auch etwas mit Computern oder Sprachen könnte sie sich vorstellen. Ihre Deutschkenntnisse hat sich Shari überwiegend allein angeeignet. Insgesamt nur fünf Monate lang hat sie an Sprachkursen der VHS teilgenommen, ganze Niveaustufen in kürzester Zeit im Alleingang bewältigt. In ihrem zweiten Jahr in Deutschland hat sie am Hanse-Kolleg den Mittleren Schulabschluss erworben, 2021 wird sie an der Schule die Abiturprüfung ablegen.

Die Antwort auf die Frage, ob sie sich in Deutschland schon etwas heimisch fühle, illustriert recht gut, wie schwer es ist, sich auf eine neue, ganz fremde Kultur einzustellen. Shari vermisst ihre Freunde und Angehörigen im Iran, hat Heimweh. Sie weiß zu schätzen, dass ihr in Deutschland geholfen wird, dass Menschen sich um ihr Fortkommen kümmern, aber es fehlt ihr auch ein wenig die zwischenmenschliche Wärme, die sie aus der Heimat gewohnt ist. Befremdlich findet die junge Frau auch die vielen Vorschriften und Gesetze, die insbesondere – wie in ihrem Fall – das berufliche Fortkommen behindern können. Andererseits schätzt sie die Ehrlichkeit der Deutschen, dass man sich weniger verstellen muss und unbequeme Wahrheiten auch ansprechen darf.

Shari hat sich auch grundsätzliche Gedanken dazu gemacht, wie Integration besser gelingen könnte. So hält sie es für unvorteilhaft, dass alle Flüchtlinge in denselben Deutschkursen sitzen, und zwar unabhängig von ihrem Bildungsstand und Lernvermögen. Die einen fühlen sich überfordert, die anderen ausgebremst. Das Ergebnis ist, dass das Interesse am Erlernen der deutschen Sprache auf beiden Seiten nachlässt. Auch empfindet sie das Schulwesen insgesamt als etwas zu locker. Kontraproduktiv findet sie auch, dass viele Migranten viel zu lange staatliche Förderung erhalten. Zum einen erzeuge es Neid und Missgunst auf Seiten der Mehrheitsbevölkerung, aber viel schlimmer sei es, dass sich viele Eingewanderte nach Jahren der staatlichen Finanzierung an den Zustand gewöhnen und keine Motivation mehr haben, selbst für ihren Lebensunterhalt zu sorgen. Zu hoffen ist, dass deutsche Behörden zu ähnlichen Erkenntnissen wie die Iranerin kommen.