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Zu Besuch bei Architekt Bernd Passgang

Architekt Passgang
Besuch bei Architekt Bernd Passgang

Die Studierenden des Kunstgeschichte-Kurses der Kollegsemester 4 und 5 besuchten am Montag, den 19. November, das Lippstädter Architektur-Büro Passgang BDA. Die kleine Exkursion erfolgte im Rahmen des Halbjahres-Themas „Architektur des 20. Jahrhunderts und der Gegenwart“.

Das Architekturbüro Passgang ist in Lippstadt keine unbekannte Adresse. Die attraktive Gestaltung des Stadtbibliothek-Ensembles ist ihm zu verdanken, ebenso das „Hella Globe“ und die Sparkasse Lippstadt. Aber auch am Hanse-Kolleg ist Passgang derzeit aktiv. Die Modernisierung des Zwischentrakts wird vom ihm geleitet.

Gleichsam über den Dächern Lippstadts empfing uns Herr Passgang im großzügig und modern durchgestalteten Dachgeschoss des Denkmal-Hauses Fleischauer Straße 6, das unmittelbar an die Stadtbibliothek angrenzt. Freundlicher Weise erklärte sich Herr Passgang bereit, dem Kunstgeschichte-Kurs der Semester AK 4 und 5 insgesamt 90 Minuten Rede und Antwort zu stehen sowie aus seinem beruflichen Alltag zu berichten. Mit 14 Mitarbeitern, davon neun Architekten, ist der Betrieb für Lippstädter Verhältnisse schon ordentlich groß.

Herr Passgang erzählte zunächst von seinem beruflichen Werdegang. Sechseinhalb Jahre studierte er zunächst an der Universität Hannover. Diese Zeit, so der Architekt, mag einem aus heutiger Sicht eher lang vorkommen – aus fachlicher Sicht sei es aber von Vorteil, wenn man das Studium nicht durcheile, sondern sich Zeit gebe, um zu reifen. Vom stark verschulten Bachelor-Studium und der Spezialisierung im Masterstudium hält Passgang daher eher weniger.

Nichtsdestotrotz ermutigte Bernd Passgang die Studierenden dazu, ein Architekturstudium aufzunehmen. Mit NCs im Bereich 2,3 oder 2,4 seien die Einstiegsvoraussetzungen insgesamt für viele erreichbar. Allerdings verlangen einige Hochschulen darüber hinaus auch Bewerbungsmappen, aus denen eine künstlerische Ader ersichtlich ist. Dass die Abbrecherquoten vergleichsweise hoch sind, liegt laut Passgang weniger daran, dass die Anforderungen nicht zu schaffen sind, als vielmehr daran, dass das Studium sehr zeitraubend ist. 70 bis 80 Wochenarbeitsstunden müsse man, so Passgang, schon mal aufwenden, weil architektonische Entwürfe und Ausarbeitungen eben Zeit brauchen. Dazu kommen regelmäßig Praktika in den Semesterferien. Wer daran Spaß hat, den schrecke das aber nicht ab.

Nach seinem Studium arbeitete Passgang zunächst fünf Jahre lang in dem Architekturbüro, das er heute leitet. Dann bot man ihm an, Partner zu werden. Über die Jahre ist Passgang als einziger der Teilhaber übrig geblieben. Seine Arbeit schätzt er nach all den Jahren immer noch, wenngleich die überwiegende Zeit für eher unkreative Tätigkeiten aufgewendet wird. Die Auftragsbeschaffung, das Erstellen von buchdicken Leistungsverzeichnissen und die Bauüberwachung prägen den Arbeitsalltag zu 90%.

Ob es da ein Glück ist, wenn rund 1000 Stunden für einen Entwurf im Rahmen architektonische Wettbewerbe geleistet werden müssen, ist fraglich. In solchen Wettbewerben konkurrieren bis zu zehn Architekturbüros gegeneinander – aber nur einer kann gewinnen. Immerhin kann man sich als Architekt auf diese Weise beruflich profilieren und zeigen, was man kann.

Auf die Frage, warum die heutige Wohnarchitektur – also Miets- und Einfamilienhäuser – überwiegend so hässlich, phantasielos und uniform daherkommt, weiß Herr Passgang die Antwort. Schuld daran sind nicht unbedingt die Architekten. Es sind die Kosten. Ein Standard-Einfamilienhaus kostet bereits um die 350.000 € – Grundstück nicht mit eingerechnet. Wer es etwas schöner und exklusiver haben möchte, ist schnell mit einer halben Million und weitaus mehr dabei. Das können sich nur die wenigsten leisten. Dabei sind Kosten, die ein Architekturbüro für sich veranschlagt, vergleichsweise gering.

Eigentlich ist es immer das Geld, das dem Architekten von heute die Flausen aus dem Kopf treibt. Bei größeren Projekten sind die Kosten – anders als beim Flughafen BER – fixiert. Wer da die Ästhetik im Blick hat, kommt schnell an die Grenzen des Machbaren und muss dann sehen, wo er an anderen Stellen sparen kann.