Der Werner-Bohrer-Kreis präsentiert: Erwin Grosche - "Wie aus heiterem Himmel"

Der Werner-Bohrer-Kreis präsentiert: Erwin Grosche - "Wie aus heiterem Himmel"

Kabarett

Ort: Stadttheater Lippstadt

Beginn: 20:00 h

Karten: € 10,00/ 16,00 

 

Gedankenblitze und poetische Niederschläge. Liebenswert, ein Bollwerk literarischer Bonmots, aber so fein mit Selbstironie und Schabernack und Alltag gewürzt, dass es einfach Freude macht, Erwin Grosche beim Phantasieren beizustehen.

 

Kenner der Szene halten Erwin Grosche für den ungewöhnlichsten Kabarettisten Deutschlands: Was für ein merkwürdiges kleines Männchen. Wie von einem anderen Planeten. Diese weit aufgerissenen Augen, dieser leicht irre Blick, und dazu haut er auch noch auf die Trommel. Was ist das? Ein in die Jahre gekommenes Grasssches Oskarchen? Oder ein Onkel von Karlson vom Dach. In seinem perfekten Schneideranzug könnte er auch ein Nachfahre eines vornehmen Varieté- Liliputaners sein. Oder ein spanischer Hofnarr aus einem Gemälde von Velazquez. Jetzt macht er den Mund auf. Merkwürdige Wörter purzeln heraus. Vielleicht ist der sonderbare kleine Mann ein Gesandter aus dem dadaistischen Jenseits?

Vom Alleralltäglichsten bis zum Ungeheuren, ja Ungeheuerlichen der Existenz ist es in Grosches Programm „Wie aus heiterem Himmel“ manchmal nur ein ganz kleiner Schritt. Aus verblüffenden Assoziationen, Albernheiten, skurriler Poesie unter einer dicken Ladung ostwestfälischen Dadas bastelt Grosche mit staunenden Augen eine Welt zusammen, die nach den Gesetzen einer kindhaft-unbekümmerten Logik funktioniert. Ganz unschuldig ist das nie. Kleinkünstler Erwin Grosche ist stets ganz nah dran an der großen Kunst. Musik macht Grosche auch, setzt aber Akkordeon, Gitarre, Spielzugpiano oder Klangschalen so geschickt reduziert ein wie einst Hüsch die Heimorgel. Damit sich die Texte an irgendwas festhalten können.

Erwin Grosche kann man nicht beschreiben. Er verrückt sein Publikum und bringt es auf schiefe Bahnen. Es sind raffiniert komponierte Expeditionen in eine Welt, die immer ein wenig schräg zum Alltäglichen liegt. Oft kommen sie als Beinahe-Lieder mit minimalistischer Instrumentalbegleitung daher, manchmal als philosophische Betrachtungen, die zwischen Albernheit und Tiefsinn taumeln. Wer ihn nicht gesehen hat, verpasst vielleicht das absurdeste Innere-Welten-Abenteuer seines Kleinkunstfanlebens. Denn ob Erwin Grosche wiederkommt und nicht einfach auf einen anderen Planeten verschwindet, ist nicht gewiss.

 

„Erwin Grosche hat den großen Christian Morgenstern den Meister absurder Sprüche und Gedichte („Galgenlieder“, „Palmström“), ins 21. Jahrhundert geholt. Ein Großmeister absurder Poesie.“

Meike Böschemeyer, Bonner Rundschau, 24.08.2019




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